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verfasst von Micha - Februar 14, 2025

Reelality – From Reels to Reality?

In meiner Arbeit „Reelality“ beschäftige ich mich mit den extrem kurzen Reels, die auf Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube gepostet werden. Diese Inhalte sind darauf ausgelegt, die Aufmerksamkeit für kurze Zeit voll und ganz zu fesseln – doch genau darin liegt ihre Kehrseite: Sie können süchtig machen.

Weil viele Menschen täglich Stunden mit Reels verbringen, beziehen sie zunehmend ihre Informationen aus sozialen Medien. Diese Videos können dadurch sogar ganze Lebensrealitäten formen. Doch was passiert, wenn die Inhalte gar nicht der Wahrheit entsprechen und KI generiert sind? Mit dieser Frage habe ich mich in meinem Projekt auseinandergesetzt.

Durch aktueller KI-Software lässt sich innerhalb von einer Minute vollständig generierte Videos erstellen – von der Idee über den Text bis hin zu Bild und Ton. Ich habe diese Software genutzt, um fiktive historische Erzählungen zu produzieren. Dabei transportieren die Videos Stereotypen und Narrative über Geschlecht, Körperbilder und gesellschaftliche Normen – und das mit sehr minimalem eigenen Eingriff. „Reelality“, eine Wortkombination aus Reel und Reality, verweist darauf, dass solche Videos für viele Menschen zur Realität werden könnten, wenn diese Videos massenhaft in sozialen Netzwerken verbreitet werden würden.

Der unendliche Strom neuer Videos, der mit einem einfachen Wischen oder Tippen aufgerufen werden kann, sorgt für einen kontinuierlichen Dopaminkick. Man weiß nie, was als Nächstes kommt: Ist es unterhaltsam? Ist es uninteressant? Diese Unvorhersehbarkeit erinnert stark an Mechanismen des Glücksspiels. „Reelality“ greift diese Dynamik auf und hinterfragt, wie KI-generierte Inhalte unsere Wahrnehmung manipulieren können.

Die Installation erinnert bewusst an einen einarmigen Banditen: Besucher*innen ziehen einen Hebel, und auf einem kleinen länglichen Bildschirm erscheinen drei zufällig gewählte Begriffe. Anschließend wird ein scheinbar in Echtzeit erstelltes Reel auf einem größeren Bildschirm abgespielt. Tatsächlich sind die Videos bereits vorab generiert und mit bestimmten Wortkombinationen verknüpft – doch der Eindruck von Spontaneität bleibt.

Installationsaufbau „Reelality“

Das Projekt lädt dazu ein, über die Rolle von KI in der Content-Erstellung nachzudenken. Die Arbeit soll auch dazu anregen darüber nachzudenken, ob es überhaupt eine Rolle spielt, dass diese überzeichneten Inhalte als KI-generiert erkennbar sind und ob in dieser Übertreibung von gesellschaftlichen Normen und Narrativen nicht doch ein Funken Wahrheit gelesen werden kann. Dadurch kann sich das Weltbild von den Nutzer*innen ändern.

Das Projekt lädt dazu ein, über die Rolle von KI in der Content-Erstellung nachzudenken. Die Arbeit soll auch dazu anregen, zu hinterfragen, ob es überhaupt eine Rolle spielt, dass diese überzeichneten Inhalte als KI-generiert erkennbar sind oder ob in dieser Übertreibung von gesellschaftlichen Normen und Narrativen nicht doch ein Funken Wahrheit gelesen werden kann, wenn sie immer wieder im realen Leben und auf Social Media unterbewusst gefestigt werden. Immer mehr Inhalte werden von KI erzeugt. Wenn man eine Dystopie zeichnen möchte, bestimmt letztlich die KI, welche Realität die Nutzer*innen wahrnehmen. Das Weltbild vieler Menschen wird so nicht nur noch von realen Erlebnissen und menschlicher Berichterstattung geformt, sondern zunehmend von KI, die Themen auswählt, verstärkt und damit Einfluss auf unser Verständnis der Welt nimmt.

Ich habe einen Prototypen mit einem Teil der Videos erstellt. Gehe jeweils auf die Website Reels und Website Controller (nicht gestaltet).