Jeder kennt das Verbot aus der Kindheit: „Mit Essen spielt man nicht!“. Doch was, wenn genau dieses Spiel die Basis für ein neues kulinarisches Experiment wird? EssBar dreht den Spieß um und verwandelt alltägliche, eigentlich ungenießbare Dinge in essbare Leckereien, die täuschend echt aussehen. Waschmittelpulver, Seifenblasen, Knete oder Waschmittelgel haben eine besondere Textur, Farbe oder Konsistenz, die auf Kinder eine fast magische Anziehung ausüben.
„Das Waschmittelpulver rieselte durch meine Finger wie feiner Schnee. Es knisterte leise, und sein frischer Duft stieg mir in die Nase. Ich war sicher, es würde spritzig schmecken, vielleicht wie Zitronenbrause, prickelnd und kühl. Ich habe es nie probiert, aber der Geschmack war trotzdem da – in meiner Vorstellung.“
„Die Seifenblasen tanzten in der Luft wie glitzernde Bonbons. Wenn ich sie einfing, zerplatzten sie auf meiner Haut, und ich war sicher, sie schmecken wie Zuckerwatte, süß und leicht prickelnd. Ich habe sie nie erwischt, aber der Geschmack war trotzdem da – in meinem Kopf.“
„Der Weichspüler schimmerte in der Flasche wie flüssige Seide. Sein Duft lag in der Luft, warm und weich, als könnte man ihn trinken. Ich stellte mir vor, er schmeckt nach geschmolzener Vanille, cremig und samtig auf der Zunge. Ich habe ihn nie gekostet, aber der Geschmack war trotzdem da – in meiner Fantasie.“
Genau hier setzt meine Arbeit an: Durch die Kombination von Textur, Geschmack und Aussehen habe ich Rezepte entwickelt, die diese „verbotenen“ Dinge nachahmen. Dabei sind sie völlig harmlos und sogar lecker. Da ich bei der Entwicklung der Rezepte auf eine realistische Optik und Konsistenz achten wollte, habe ich ChatGPT genutzt. Die KI half mir, passende Zutaten zu finden und die Strukturen echter Produkte nachzuahmen.
Die Idee, Ungenießbares essbar zu machen, brachte eine besondere Herausforderung mit sich: Wie bekommt man die richtige Textur und das passende Mundgefühl hin? Hier kam ChatGPT ins Spiel. Ich benutzte die KI, um verschiedene Kombinationen von Zutaten zu erforschen und herauszufinden, welche natürlichen Lebensmittel für meine Zwecke geeignet waren. Die KI konnte zwar nicht selbst schmecken, aber auf unzählige Rezeptideen und chemische Prozesse zugreifen, um realistische Vorschläge zu machen. Es war spannend zu sehen, wie aus maschinellen Empfehlungen echte, funktionierende Rezepte wurden. Diese Vorschläge habe ich dann weiter angepasst, getestet und verfeinert. Das Zusammenspiel von menschlicher Intuition und der strukturierten Vorschlagskraft der KI hat zu überraschenden und überzeugenden Ergebnissen geführt.
Während der Entwicklung von EssBar habe ich mich intensiv mit Konsistenzen und Zutaten beschäftigt, um echte Produkte möglichst genau nachzubilden. Hier meine Kreationen:
Eine luftige, leicht klebrige Mischung aus Wasser, Zuckersirup, Maisstärke und Glycerin sorgt für eine zarte, schimmernde Flüssigkeit. Mit einem Strohhalm lassen sich kleine, zerbrechliche Blasen erzeugen, die auf der Zunge sanft zerplatzen und einen Hauch von Süße hinterlassen.
Durch die Kombination von Wasser, Zucker und Maisstärke entsteht eine samtig-glatte, leicht elastische Masse, die sich täuschend echt anfühlt. Mit etwas Lebensmittelfarbe bekommt sie den glänzenden, durchscheinenden Waschmittel-Look, während die süße, leicht sirupartige Konsistenz den Geschmack abrundet.
Die Kombination aus feinem Puderzucker, samtiger Maisstärke, geschmeidigem Pflanzenöl und aromatischem Vanillezucker ergibt eine wunderbar weiche, dehnbare Masse. Sie fühlt sich an wie echte Knete, ist aber angenehm süß und hat eine seidige Textur, die sich leicht formen lässt.
Eine grobkörnige Mischung aus knusprigem Zucker, feiner Stärke, spritziger Zitronensäure und prickelndem Brausepulver sorgt für das typische Rieseln und ein erfrischendes Mundgefühl. Die zarten Kokosraspeln verstärken die authentische Struktur und erinnern an echtes Waschpulver.
Bei EssBar ging es darum, ungenießbare Dinge nicht nur optisch perfekt nachzubilden, sondern sie auch geschmacklich ansprechend zu gestalten. Durch viele Tests und Anpassungen entstanden essbare Kreationen, die sowohl täuschend echt als auch lecker sind.
Die Ausstellung greift das Konzept spielerisch auf: Wie an einem Probierstand können die Besucher die essbaren Illusionen probieren und sich von der täuschend echten Optik überraschen lassen. Die Rezepte sind auf Servietten gedruckt – nicht nur, um das Erlebnis greifbarer zu machen, sondern auch, damit Besucher sie als Erinnerung mitnehmen und zuhause die falschen Kindheitserinnerungen vom heimlichen Probieren dieser Dinge aufleben lassen können.

Ein Projekt von Georgia Ioannidou