Zwei Musikboxen, eine Sonnenbrille und ein Set Spielkarten. Persönliche Gegenstände, Kleidung und Einrichtung können viel über eine Person erzählen. Kann man anhand einiger persönlicher Gegenstände bereits erste Schlüsse über eine Person ziehen oder diese bereits ein Stück weit einschätzen? Inwiefern kann man sich bereits ein Bild von dieser Person machen?
Das Projekt soll mit Vorstellungskraft und Wahrnehmung spielen. Die Betrachter sollen emotional durch die Gegenstände abgeholt werden und sich fragen, wer sich hinter diesen Dingen verbirgt. Bilder, die dabei vor dem inneren Auge entstehen, sollen mit KI visualisiert werden und der fiktiven Person ein Gesicht geben.
Das Projekt spielt mit der menschlichen Neigung, aus Dingen Geschichten zu formen und Menschen in Schubladen zu stecken. Doch wie viel Wahrheit steckt in diesen spontanen Urteilen? In unserem ganzen Leben sammeln wir Gegenstände, kaufen neue, lösen uns wieder von alten. Eine Sammlung aus Gegenständen, mit denen wir bestimmte Erinnerungen oder Lebensphasen assoziieren und die uns nützlich sind oder an jemanden erinnern. Sie können für Ziele stehen, die wir erreichen wollen und uns helfen, sie zu erreichen. Einige sind uns wohl auch egal und dienen nur einem alltäglichen Sinn. Wir definieren uns über unsere Kleidung, unsere Einrichtung, unser Eigentum und Erinnerungsstücke - zumindest ein Stück weit. Genauso beurteilen wir andere Menschen (unter)bewusst nach ihren Gegenständen.
Was passiert nun, wenn man eine Sammlung an persönlichen Gegenständen anschaut, ohne den Besitzer zu kennen? Entsteht ein Gefühl, ein Bild der Person, Vorurteile oder eine Lebensgeschichte? Erkennen wir uns in ihr wieder oder differenzieren wir uns von ihr?
Um diese Vorstellungen zu visualisieren und festzuhalten, werden mit KI Bilder der Personen generiert. Diese Bilder können mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen, aber auch ganz anders als erwartet aussehen. Denn die KI generiert eventuell nicht genau das Bild, was sich der/die Betrachter/in vorstellt. Hier wird mit den eigenen Vorurteilen gespielt, da es nicht so einfach ist, anhand der Gegenstände eine Person abzubilden. Man lernt die fiktive Person visuell nochmal neu kennen.
Erinnerungen/Bilder ---- Kleidung/Accessoires ---- Interessen/Hobbys ---- Einrichtung
Die Gegenstände stammen aus Second-Hand-Läden, von Flohmärkten, von der Straße oder aus dem Keller. Sie sollen aus dem Besitz einer fiktiven Person sein und den Betrachter zum Nachdenken anregen. Sie wurden gewählt, um Raum für die eigene Vorstellungskraft zu lassen und keine direkten Stereotypen zu erfüllen. Sie können Informationen über den Stil der fiktiven Person geben, über ihre Interessen oder Freizeitgestaltung. Gleichzeitig können es Gegenstände von geliebten Personen sein, die etwas für die fiktive Person bedeuten. Einige Gegenstände sind interaktiv zu entdecken, das heißt, sie enthalten weitere Informationen über die fiktive Person, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Hier sind beispielsweise Postkarten oder Inhalte von Boxen vertreten.
Die Portraits wurden mit Flux generiert. Hier eine Vorschau an bereits generierten Portraits:
Prompt-Beispiel (Bild1)
flash, out of focus, motion blur, analoge disposable camera, flash photography of a short 24 year old woman, light blonde dyed hair with a dry curly structure, blue eyes and subtle smudged eyeliner, she is wearing a plaid shirt with red and brown and grey baggy pants, she is wearing silver earrings and multiple rings on her fingers, in the background are 2 abstract Posters on the walls, hard shadows from the flash of the camera
https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:eu:429c2cfd-30eb-4484-abd4-ef6b75cada32
Die Sammlung der Gegenstände ist auf einem Tisch drapiert. Für Betrachter/innen gibt es eine Möglichkeit, im Rahmen einer Promptvorlage die eigenen Vorstellungen der fiktiven Person zu generieren, welche automatisch mit einem kleinen, am Tisch befestigten Drucker als Foto ausgedruckt werden. Diese Fotos fallen in eine Box, die sich unter dem Tisch befindet. Sie enthält bereits einige Fotos von verschiedenen Personen, die im Vorfeld generiert wurden und erste Portraits der fiktiven Person darstellen. Die Box soll mitsamt ihrem Inhalt als Teil der Gegenstände wahrgenommen werden und erst mit dem Ausdrucken wird aufgelöst, dass es sich um von vorherigen Betrachter/innen generierte Bilder der fiktiven Person handelt.
Die Besucher/innen notieren ihre Gedanken auf der Bildrückseite: erfundene Lebensgeschichten, spontane Gefühle, persönliche Interpretationen. Dann landet das Porträt in der wachsenden Sammlung. Jeder Blick auf die Objekte erschafft eine neue Identität.
Interessant zu sehen ist, inwiefern sich die unterschiedlichen Assoziationen der Menschen mit der Person hinter den Objekten unterscheiden.

Alissa Bernhardt